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Statement

Deutschland legt zukunftsweisendes Konzept vor

Statement zur Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung

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Die Mitglieder der Wissenschaftsplattform Sustainable Finance begrüßen die heute veröffentlichte Sustainable Finance-Strategie der Bundesregierung. Die geplanten Maßnahmen verdeutlichen, dass Sustainable Finance alle Teile des Finanzwesens betrifft und eine tragende Rolle bei der Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft spielt. Mit ihrer Strategie trägt die Bundesregierung zur europäischen und internationalen Sustainable Finance-Agenda bei. Im Folgenden werden fünf zentrale Aspekte der Strategie hervorgehoben, die aus Sicht der Wissenschaftsplattform Sustainable Finance einen grundlegenden Wandel in Richtung Nachhaltigkeit einleiten.

Klares Bekenntnis zur EU-Taxonomie

Die Bundesregierung bekennt sich klar zur EU-Taxonomie als zentrale Grundlage für die Transformation zur nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft und unterstützt ihre Ausweitung auf soziale Belange. Ziel der Taxonomie ist es zu definieren, welche wirtschaftlichen Aktivitäten und Investitionen künftig als förderlich und schädlich für die Transformation angesehen werden. Die so entstehende Transparenz ermöglicht verschiedene Maßnahmen zur zielgerichteten Umlenkung der Finanzströme privater, institutioneller und öffentlicher Akteure. Darauf können und sollten sich nun alle Unternehmen schnell einstellen.

Qualität und Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsberichterstattung wird gestärkt

Die Strategie sieht vor, die Nachhaltigkeitsberichterstattung erheblich weiterzuentwickeln. Die Bundesregierung will konkrete Richtlinien mit branchenspezifischen und zukunftsgerichteten Indikatoren in Abstimmung mit der EU erarbeiten, eine verpflichtende inhaltliche Prüfung der nichtfinanziellen Erklärung vorschreiben und den Anwendungsbereich der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung erweitern. Es ist aus unserer Sicht wichtig zu präzisieren, wie kleine und mittlere Unternehmen einbezogen werden können.

Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen rücken stärker in den Fokus

Die Bundesregierung möchte, dass langfristige Chancen und Risiken der Transformation zur Nachhaltigkeit und die Risiken des Klimawandels erkannt, gemessen und in Entscheidungen berücksichtigt werden. Dazu unterstützt sie ausdrücklich die Weiterentwicklung des Risikomanagements, auch über die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden (Bafin), zum Beispiel durch Stresstests. Dazu sollte aus unserer Sicht die vorgesehene zukunftsgerichtete Berichterstattung genutzt werden. Dies stärkt Investitionen in die Transformation und damit die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Finanz- und Realwirtschaft.

Nachhaltigkeit von Finanzprodukten in allen Dimensionen messen

Die Messung der Nachhaltigkeitswirkung von Finanzprodukten ist bisher kaum etabliert. Die Strategie betont zurecht, dass die Wirkungsmessung ein hochkomplexes Thema ist und dass Begrifflichkeiten und Messmethoden nicht klar definiert sind. Wir begrüßen die Forderung der Bundesregierung, Instrumente wissenschaftsgestützt weiterzuentwickeln. So sollen beispielsweise die Auswirkungen von Finanzaktivitäten auf Biodiversität oder Menschenrechte messbar gemacht werden.

Einführung einer „Nachhaltigkeitsampel“ für Anlageprodukte

Die Einführung einer „Nachhaltigkeitsampel“ für möglichst alle Finanzprodukte soll Anleger*innen dabei helfen, Nachhaltigkeitsaspekte bei der Vermögensanlage schnell und einfach zu berücksichtigen. Wir erachten dies als eine sinnvolle Ergänzung zu existierenden Nachhaltigkeitslabels. Eine „Ampel“ könnte dazu beitragen, dass sich nachhaltige Finanzprodukte (zu denen beispielsweise auch Versicherungen oder Girokonten gehören) im Retailbereich etablieren. Mit einem verpflichtenden Kennzeichnungssystem für Finanzprodukte würde Deutschland eine Vorreiterrolle im Bereich Sustainable Finance einnehmen.  

Insgesamt hat die Bundesregierung mit der Sustainable Finance-Strategie ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept vorgelegt. Selbstverständlich müssen Details und Umsetzung dieses Konzepts in den nächsten Wochen und Monaten diskutiert und reflektiert werden. Nun liegt es an der Bundesregierung, möglichst schnell die im Bericht genannten Zeithorizonte zu konkretisieren, die Verantwortlichkeiten für die Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen zu benennen und ein effektives Monitoring zu gewährleisten. Auch in der Umsetzungsphase sollten alle Stakeholder-Gruppen einbezogen werden, wie es zuletzt sehr gut gelungen ist. Auch die Mitglieder der Wissenschaftsplattform Sustainable Finance werden sich an diesem Diskurs beteiligen.

Prof. Dr. Alexander Bassen (Universität Hamburg), Prof. Dr. Timo Busch (Universität Hamburg), Dr. Gunnar Gutsche (Universität Kassel), Ingmar Jürgens (Frankfurt School of Finance and Management), Dr. Karol Kempa (Frankfurt School of Finance and Management), Prof. Dr. Christian Klein (Universität Kassel), Prof. Dr. Kerstin Lopatta (Universität Hamburg), Prof Dr. Ulf Moslener (Frankfurt School of Finance and Management), Prof. Dr. Karsten Neuhoff (DIW Berlin), Dr. Martin Rohleder (Universität Augsburg), Prof. Dr. Oliver Schenker (Frankfurt School of Finance and Management), Prof. Dr. Frank Schiemann (Universität Hamburg), Dr. Franziska Schütze (DIW Berlin) und Prof. Dr. Marco Wilkens (Universität Augsburg)

Ansprechpartner für Medienanfragen:

Bastian Tittor
Kommunikationsmanager
030 89789 – 153
btittor@diw.de

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